Obwohl wir erst eine Woche in Ahmedabad
verweilen, kommt es mir vor, als ob unsere Ankunft schon eine Ewigkeit her ist.
Das liegt sicher zum einen daran, dass wir interessante Exkursionen mit
Professor Yatin Pandya unternehmen, bei denen wir den ganzen Tag unterwegs sind
und sehr viel sehen und erleben.
Für mich war die Besichtigung des IIM von
Louis Kahn sehr eindrucksvoll gewesen. Zwar hat mich während den Vorlesungen in
der Schweiz dieses Gebäude schon immer beeindruckt. Aber das war nun ein
Erlebnis, das keine Vorlesung der Welt ersetzten kann, egal wie schön die
Bilder in den Powerpoint Präsentationen sind. Denn erst vor Ort spürt man
wirklich die Dimensionen, Konstruktion und Materialisierung. Dazu kommen noch
die (zwar etwas langen) Erläuterungen von Professor Yatin Pandya hinzu, was das
ganze nochmals spannender macht; sei es nun auf dem Campus, in unserem kleinen
Vorlesungsraum oder in einem Treppenhaus. Über etwas muss ich immer schmunzeln:
Es scheint so, als ob der Professor Angst hat, dass uns die Energie während den
Exkursionen ausgeht. Meistens kauft er uns nach zwei bis drei Stunden
Erfrischungsgetränke oder Snacks. Vielleicht ist es aber auch die indische
Gastfreundschaft, die wir schon des Öfteren erleben durften. Wir werden nämlich
oft von fremden Leuten zum Tee eingeladen. Diese Ehre verdienen wir uns
meistens damit, indem wir unsere Namen und Nationalität verraten und Ihnen
Fragen über die Schweiz beantworten. Ich habe festgestellt, dass viele Inder
sehr neugierig sind, was das Leben ausserhalb ihres Landes betrifft; und dies
meist ohne Vorurteile! Jedoch fühlen sich manche vor den Kopf gestossen, wenn
sie erfahren, wie viel Fleisch wir essen. Sehr viele Inder sind nämlich
Vegetarier. Aber nie wird man unfreundlich behandelt. Denn eine ältere Dame,
die ich bei einem Dorfrundgang getroffen habe, erklärte mir bei einem Tässchen
Tee, sie möchte, dass wir Ausländer mit einem guten Bild von Indien abreisen.
Schwer wird mir das bestimmt nicht fallen.
Den Sonntagsmarkt haben wir hier in
Ahmedabad auch besucht. Es waren so viele Menschen unterwegs, dass ich mich
fast nicht in die Menge getraut habe. Aber erstaunlicherweise kam man immer
vorwärts, egal wie gross die Menschenmasse ist. Man kommt sich vor wie ein
Fisch, der sich durch die Masse windet. Der Markt war voller Farben und das
Angebot reichte von schillernden Kleidern über glitzernden Schmuck bis hin zu
verschiedensten Gewürzen. Ich wusste gar nicht, wo ich hinschauen sollte! Hinzu
kommt noch, dass man aufpassen muss, wo man hintritt (unebener Boden, Spucke
und verdächtige Pfützen). Aber ein Erlebnis war es auf jeden Fall.
Noch ein paar Worte zu unseren neuen indischen
Kommilitonen: Ich bin positiv überrascht, wie gut sie fliessend englisch sprechen
können. Ich bin nun diejenige, die wahrscheinlich mehr Mühe damit hat. Auch
wurde ich sofort von ihrem offenen und humorvollen Charakter in den Bann
gezogen. Pünktlichkeit scheint jedoch nicht ihre Stärke zu sein. Obwohl ich das
schon im Voraus wusste, ist es jedesmal für mich doch eine ziemlich schwere
Geduldsprobe. Doch die Zusammenarbeit ist für mich eine wertvolle Erfahrung.
Text & Bilder von Catherine Tran, März 2014








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